Im Berliner Ortsteil Weißensee schließt ein neues Wohnhaus die Lücke, die ein abgerissener Garagenbau in der Indira-Gandhi-Straße hinterlässt – und knüpft dabei bewusst an die gründerzeitliche Nachbarschaft an. Das Grundstück liegt im Erhaltungsgebiet »Weißensee Süd« und fordert mit seiner schmalen, spitz zulaufenden Geometrie – zwischen 16 und 31 Metern Tiefe – eine präzise Antwort. Der Neubau reagiert darauf als sechsgeschossige Blockrandbebauung in geschlossener Bauweise: Im Süden schließt er in voller Tiefe an die Brandwand der historischen Nachbarbebauung an, nach Norden hin verjüngt sich der Baukörper und mündet in eine zweigeschossige Remise.
Ein leichter Versatz in der Gebäudemitte macht die gründerzeitliche Parzellierung ablesbar und gliedert die insgesamt 72 Wohneinheiten in zwei Abschnitte: Im südlichen Teil entstehen 37 Mietwohnungen von ein bis fünf Zimmern, im nördlichen Teil vor allem kompakte, möblierte Mikroapartments für Studierende und Pendler:innen. Ergänzt wird das Angebot durch zwei Gewerbeflächen im Erdgeschoss, das sich barrierefrei an das Straßenniveau anpasst. Mehr als die Hälfte aller Wohnungen ist barrierefrei geplant.
Die Fassade übersetzt die Gestaltungsvorgaben der Erhaltungssatzung in eine zeitgenössische Sprache: Gesimsbänder gliedern das Gebäude horizontal, ein Sockel aus Klinkerriemchen setzt sich von der grün verputzten Fassade der Obergeschosse ab. An drei Stellen tritt die Fassade leicht hervor und markiert die dahinterliegenden Treppenhäuser – belichtet durch runde, übereinander angeordnete Fenster. Fensterrahmen in warmem Holzton und ein mit rotem Biberschwanz gedecktes Berliner Dach greifen die Materialität der historischen Nachbargebäude auf.
Zum ruhigen Innenhof hin öffnen sich Balkone und Terrassen, ergänzt durch »französische Balkone« an den bodentiefen Fenstern der Mikroapartments. Der Hof selbst ist als grüner Fließraum konzipiert, der Spielbereiche, überdachte Fahrradstellplätze und den Müllstandort so verbindet, dass trotz begrenzter Fläche eine hohe Aufenthaltsqualität entsteht. Photovoltaik und eine schallgedämmte Luft-Wasser-Wärmepumpe auf dem Dach versorgen das Gebäude klimafreundlich mit Strom und Wärme; ein Retentionsdach sowie eine unterirdische Rigole puffern das Regenwasser, bevor es gedrosselt in die öffentliche Kanalisation eingeleitet wird.
LP 1–4 und Teile der LP 5 und LP 8
Effizienzhaus 40
Selva Dietzfelbinger, Oliver Gassner, Jacob Philipp Weise, Michelle Perschke, Fabian Wolf