Südwestlich der Steinfurter Straße plant die Stadt Münster auf rund 48,5 Hektar ein Modellquartier. Es soll gemischt, urban, autoarm und klimapositiv sein. Hier können rund 1.650 bis 2.150 Wohnungen sowie etwa 600 Apartments für Studierende und 300 für Auszubildende entstehen, außerdem rund 4.700 Arbeitsplätze. Das Areal liegt zwischen Kulturlandschaft und gewachsener Stadt, am Stadtentrée Nordwest, zwischen Technologiepark mit Leonardo-Campus und dem Landschaftsraum des Wasserwegs. Unser Entwurf »Grünes Geflecht« versteht sich als robuster Rahmen, der grundlegende Qualitäten sichert und flexibel auf wechselnde Anforderungen reagiert.
Im Mittelpunkt stehen großzügige Landschaftskorridore. Sie verbinden die übergeordneten Grünräume Kinderbachbogen und Vorbergshügel-Gasselstiege. Als prägendes Strukturelement greift der Entwurf das »Esch-Geflecht« auf, die historische Einteilung der Flur in lange, schmale Parzellen, die im Gebiet noch teilweise sichtbar ist. Die Korridore queren den topografischen Rücken in Ost-West-Richtung. Sie tragen Wege für Fuß- und Radverkehr, ein sichtbares Entwässerungssystem und die Frischluftzufuhr. Das Gebiet wird längs von drei thematischen Freiraumbändern gegliedert: Kultur-Natur zum Wasserweg, Quartiers-Natur als zentrales Rückgrat und Klima-Natur als Biotopverbund an der Steinfurter Straße. Zusammen bilden sie einen zusammenhängenden Grünraumverbund von 17 Hektar.
Zwischen den Bändern entstehen drei Nachbarschaften, jeweils um einen zentralen Grünraum gruppiert. Sie lassen sich schrittweise und unabhängig voneinander entwickeln, sodass spätere Abschnitte aus den Erfahrungen der ersten lernen können. Entlang der Steinfurter Straße wechselt die Bebauung zwischen Anschluss, Rücksprung und Öffnung zu den Korridoren. So entsteht ein markantes Stadtentrée, das zugleich den Science Boulevard fortsetzt. Technologieorientierte Bausteine und Start-ups finden dort eine prominente Adresse und wirken als Puffer zur B54. Die Bebauung bleibt mit fünf bis sechs Geschossen am Nachbarschaftsloop und drei bis vier Geschossen zum Grünraum menschlich im Maßstab. Einzelne Hochpunkte mit neun Geschossen dienen als Orientierung.
Mobilitätshubs bündeln den ruhenden Verkehr, sodass die Loops weitgehend autofrei bleiben. Die Metrotrasse wird als Klimaspur für Bus und Rad ausgebildet. Regenwasser wird kaskadenartig in den Freiräumen zurückgehalten. Eine Zukunftstrasse mit Umspannwerk, Geothermie und Ressourcenlager ermöglicht Kreislaufwirtschaft nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. Die Vergabe der Baufelder in Erbpacht schützt vor Spekulation.
LP 1–2 (Städtebaulich-landschaftsplanerischer Wettbewerb)
Jana Possehn, Mathis Winkels