Aus dem Bestand die Zukunft denken

Der Campus Duisburg der Universität Duisburg-Essen ist über Jahrzehnte ohne übergeordnetes Konzept gewachsen – ein Konglomerat heterogener Baustrukturen, eingebettet in einen bemerkenswerten Waldstreifen zwischen urbanem Stadtraum und Bahntrasse. Das Werkstattverfahren bot die Gelegenheit, diese räumliche Situation neu zu lesen und mit einer eigenständigen Haltung zu beantworten.

Die Leitidee „Embrace the Special!" nimmt die Besonderheiten des Bestands ernst: Das Wasserstoff-Testfeld, die Versuchshallen, die ikonischen Rundbauten – sie werden nicht wegdefiniert, sondern in die neue Campuslogik integriert. Drei Umgangsstrategien strukturieren die bauliche Entwicklung: Sanierung, Aufstockung und gezielter Neubau. So entsteht schrittweise, ohne große Abrissvolumina, ein qualitätsvoller Waldcampus mit klarer Adresse an der Lotharstraße, neuen Eingangssituationen und einem Campus Park als grünem Herzstück.

Der Wald dient nicht als Kulisse, sondern als identitätsstiftendes Rückgrat des gesamten Campus. Die zentrale These: Der Wald gehört zum Campus. Aus ihm heraus werden drei Charaktere entwickelt – ein waldgeprägter Norden mit den markanten „Keksdosen", ein heterogener, entwicklungsfähiger Mittelbereich und ein zukunftsoffener Süden. Verbunden werden diese durch eine zentrale Campus-Promenade, die als Perlenkette öffentlicher Räume den Campus in Nord-Süd-Richtung erschließt und die einzelnen Quartiere zu einem zusammenhängenden Ensemble vernetzt.

Das Verfahren endete mit dem 3. Rang. Die Jury hob die freiräumliche Grundhaltung und den sorgsamen Umgang mit dem Baumbestand hervor, sah jedoch in der Ausformulierung der Waldfugen, der Anbindung der Mensa und der verkehrlichen Konzeption weiteren Klärungsbedarf. Der Beitrag wurde als wertvoller Diskussionsbeitrag für den weiteren Masterplanprozess der UDE gewürdigt.

Auslober:in
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW
Leistung

Interdisziplinäre städtebauliche Planungswerkstatt in Arge mit ora

Bearbeitung
2026
Mitarbeit

Jana Possehn, Mathis Winkels (DMSW); Matteo Basta, Verena Holder, Gerda Leidelmann (ora)

Kooperation
ora
Visualisierung
Pawel Floryn
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